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Noch
vor einem Jahr hieß es, Franz Welser-Möst werde seine Zürcher Verpflichtungen
mit Ende dieser Spielzeit auslaufen lassen. Nun hat sich der Dirigent anders
besonnen: Er möchte seinen Vertrag mit der Zürcher Oper bis 2011 verlängern.
Den Entschluss begründet er mit den "idealen Arbeitsbedingungen" in Zürich:
"Mir ist wichtig, konsequent und in Ruhe an Projekten zu arbeiten und meine
Arbeit zu entwickeln. Das ist in Zürich möglich."
Außerdem
bestand Welser-Möst darauf, das Orchester des Zürcher Opernhauses geheim
abstimmen zu lassen, ob die Musiker mit ihm für die kommenden Spielzeiten
weiterarbeiten möchten. Ergebnis: Mehr als 85 Prozent stimmten für den Verbleib
des Chefdirigenten.
Vor der Premiere von "La Bohème" bei den Zürcher
Festspielen gaben Pereira und Welser-Möst die Entscheidung bekannt. Welser-Möst
hatte die Leitung dieser Produktion von dem verstorbenen Marcello Viotti
übernommen. Fixbestandteil der Vereinbarungen zwischen dem Dirigenten und
dem Opernhaus sind mediale Projekte. So wurde die "Bohème"-Premiere für eine
DVD-Verwertung aufgezeichnet. Schon zuvor hatte Herbert Kloibers "Clasart
Tele München" Produktionen unter Welser-Mösts Leitung in Zürich aufgezeichnet:
2004 etwa Debussys "Pelleas und Melisande" und Strauss' "Rosenkavalier".
Dabei strahlt Kloiber, der auch ATV-Eigentümer
ist, Zürcher Produktionen im sonst nicht klassisch orientierten Wiener Sender
aus. Auf den "Rosenkavalier" (am Nationalfeiertag 2004) soll heuer die Zürcher
"Traviata" - Inszenierung: Jürgen Flimm, Dirigent: Welser-Möst - folgen.
In den kommenden Spielzeiten werden u. a. "Don Giovanni" und Schuberts "Fierrabras"
in Zürich produziert. Mozarts "Titus" ist bereits aufgenommen.
Auch das Cleveland Orchestra, dessen Chefdirigent
Welser-Möst bis 2012 ist, wird von dessen Medien-Verträgen profitieren. Intendant
Gary Hanson ließ in Zürich verlauten, dass vor allem bei den Europa-Gastspielen
der Clevelander auch TV-Kameras dabei sein werden, so bei Bruckners Fünfter
Symphonie in St. Florian. 2007 soll Mahlers Zweite Symphonie produziert werden.
Unter seinem neuen Chefdirigenten ist das Cleveland Orchestra vermehrt in
der Alten Welt zu Gast. Demnächst erscheint es beim Festival von Luzern mit
drei Programmen, im Oktober kommt es zur zweiten Residenz im Wiener Musikverein,
im Herbst 2007 zur dritten. Pereira meinte, dass sowohl
Zürich als auch Cleveland für den Musikbetrieb Nischen seien, in denen sich
Kunst ein wenig abseits des schnelllebigen Business entwickeln könne: "Wir
haben deshalb auch immer wieder Angebote abgelehnt, in Japan zu gastieren,
einfach weil wir meinten, wir seien noch nicht weit genug."
Jetzt sei das anders: Demnächst wird die Zürcher
Oper ein Gesamtgastspiel in Paris absolvieren, 2006 folgt dann doch erstmals
Japan. Welser-Möst assistiert seinem Intendanten: "Ich bin ja auch ein langfristig
angelegter Mensch. Wir gehen hier sozusagen konsequent gegen die Kurzfristigkeit
vor." Dass er in Wien Wagners "Ring" einstudieren wird, erscheint ihm nun
als eine Art "Sabbatical von seiner Zürcher Verpflichtung". sin
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