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m Dienstag, dem 21. Dezember, diskutieren im Wiener RadioKultur haus
Nikolaus Harnoncourt, Anton Zeilinger und Georg Springer zum Thema "Die
Kunst der Intuition". Im Vorfeld dieser Veranstaltung im "Presse"-Zyklus
"kunst:werte" machte sich der Dirigent Franz Welser-Möst, eben auf kurzem
vorweihnachtlichem Entspannungs-Aufenthalt im Salzkammergut, im "Presse"-Gespräch
Gedanken über den gewählten Titel. Der
Begriff der Intuition wird, so sagt Welser-Möst, "im herkömmlichen Sprachgebrauch
gern mit Eingebung übersetzt, was im Übrigen nicht ganz falsch ist. Aber
es geht darüber hinaus. Wer sich mit dem Wort genauer beschäftigt, erkennt
bald, dass es eigentlich das Erkennen des Wesens eines komplizierten Vorganges
benennt." "Das", so Welser-Möst weiter, "deutet darauf
hin, dass man die Intuition, die ja auch mit Instinkt zu tun hat, schärfen
kann, indem man etwas weiß, sprich: indem man sein Handwerk beherrscht, um
die komplexen Vorgänge tatsächlich Bescheid weiß. Intuition im Sinne von:
einfach wie's kommt - das kann's nicht sein." Der
Dirigent, der im Urlaub zur Abwechslung auch Zeit findet, ausgiebig in Zeitungen
und Journalen zu blättern, hat jüngst ein schönes Exempel für seine Theorie
über die Zeitung erfahren: "Da war gerade vor zwei Tagen ein Bericht zu lesen:
Englische Wissenschaftler haben naturwissenschaftlich nachgewiesen, dass
es den sprichwörtliche Sechsten Sinn wirklich gibt. Da konnte ein Mensch,
der seit Geburt nicht sehen kann, Ausdrücke auf Gesichtern beschreiben! Insofern",
sinniert Welser-Möst weiter, "ist die Intuition also eine Schärfung der Sinne,
jedenfalls nicht Beliebigkeit." Und ein weiteres Beispiel:
"Meine Intuition beim Fußball hält sich zum Beispiel wesentlich in Grenzen,
weil ich dafür nicht begabt bin und mich auch nicht damit beschäftige. Anders
als am Zufall und an der Beliebigkeit kann man an der Intuition also auch
arbeiten." Welser-Möst findet auch Beispiele aus seinem engsten Arbeits-Umfeld:
"Intuition hat auch zu tun damit, sehr schnell auf etwas reagieren zu können.
Ein Dirigent, der zum Beispiel das Opernhandwerk nicht gelernt hat, kann
nicht instinktiv auf gewisse Situationen reagieren. Das muss ja dann oft
sehr, sehr schnell gehen. Die Dinge müssen ins Unterbewusstsein abgespeichert
werden, müssen in Bruchteilen von Sekunden abrufbar sein."
Die Ereignisse in der künftigen Führungs-Riege
der Salzburger Festspiele treffen bei Franz Welser-Möst auf Verwunderung,
zum Teil lösen sie sogar beinahe Verärgerung aus. Als der philharmonische
Geschäftsführer Peter Schmidl jüngst bekannt gab, nicht wie vorgesehen an
der Seite von Jürgen Flimm ins Leitungs-Gremium der Festspiele einziehen
zu wollen, wurde bekannt, dass neben Schmidls Namen auch der des Dirigenten
Franz Welser-Möst im Konzept Flimms aufschien, auf Grund dessen die Wahl
des Kuratoriums stattfand. "Ich war sehr erstaunt,
aus der Zeitung zu erfahren, dass ich Teil des Konzepts von Herrn Flimm gewesen
bin. Das war mit mir nicht abgesprochen!", sagt der Dirigent. Zwischen Flimm
und ihm, so Welser-Möst weiter, hätte es vor Monaten einen kurzen Dialog
gegeben, in dem er dem Regisseur mitgeteilt habe, für Kommissionen oder Besprechungsrunden
nicht zur Verfügung zu stehen. "Im Übrigen", so Welser-Möst,
"wundert mich, dass sich vor einem Dreivierteljahr alle in der Branche einig
waren, dass man sich beeilen sollte, einen Festspielchef zu finden. Jetzt
(nach Peter Schmidls Rückzug, Anm.) wird plötzlich die Maxime ausgegeben,
es sei keine Hast angesagt. Ich kann nur sagen: Wäre ich für die Salzburger
Festspiele verantwortlich, bei mir würden die Alarmglocken schrillen."
Vor allem scheint man an der Salzach, so der
Dirigent weiter, zu übersehen "dass Verträge im Musikbereich um ein Mehrfaches
längerfristig verhandelt werden müssen als im Schauspielbereich. Da sollte
man langsam schon die Frage nach der Verantwortung stellen."
"kunst:werte" 1040 Wien, Radiokulturhaus, 21. 12., 19.30 Uhr Tel. 501 703 77
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