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Zürich holt Welser-Möst

KURIER/Jürg Christandl
"Es kommen immer die richtigen Angebote zur richtigen Zeit": Franz Welser-Möst

Wien und Salzburg sind es nicht geworden, dafür Zürich: Franz Welser-Möst hat wieder ein festes Standbein in Europa. Zusätzlich zu seiner Position als Chefdirigent des Cleveland Orchestra wird der Österreicher ab 1. September 2005 Generalmusikdirektor am Opernhaus Zürich.

Am Sonntag unterzeichneten der Dirigent und Zürichs Intendant Alexander Pereira den Vertrag: Es ist eine Funktion, die speziell für Welser-Möst geschaffen wurde. Doch dieser Schritt ist gleichzeitig eine Heimkehr, denn er war 1995 bis 2002 Chefdirigent des Hauses und seit seinem Engagement nach Cleveland "nur" noch Principal Conductor.

In den letzten Jahren hat Welser-Möst, 44, Angebote für leitende Funktionen im Musikbetrieb abgelehnt – auch mit dem Verweis, das sei mit seiner Arbeit in Cleveland nicht vereinbar. Warum dann jetzt Zürich?

Zur richtigen Zeit

Franz Welser-Möst zum KURIER: "Es kommen immer die richtigen Angebote zur richtigen Zeit. Ich wusste, was mit Cleveland auf mich zukommt, doch wenn man es gelebt hat, sieht die Sache anders aus. Es dauert ein paar Jahre, um ein Orchester auf eine künstlerische Schiene zu stellen. Das war in den letzten Jahren auch sehr viel Arbeit." Zudem bezeichnet Welser-Möst Zürich als sein "künstlerisches Zuhause".

Warum er zuletzt nicht als Musikdirektor an die Wiener Staatsoper gehen wollte? "Ich hätte mich auf die Arbeit mit Direktor Ioan Holender gefreut, doch zu diesem Zeitpunkt habe ich mir einfach nicht zugetraut, die Kraft aufzubringen, mit der ich in Wien gerne gearbeitet hätte." Doch er freut sich auf seine Projekte in Wien, auf den "Ring", den er an der Staatsoper 2007/09 machen wird.

In Zürich, so Welser-Möst, gehe sich das Leben mit zwei leitenden Funktionen besser aus als anderswo, da die Weichen hier schon gestellt sind. "Dass ich weiter meine zwölf Wochen pro Jahr frei habe, darauf achte ich schon – und vor allem meine Frau."

Langfristigkeit ist ein Begriff, der im Gespräch mit Welser-Möst immer wieder fällt, sein Vertrag in Zürich läuft bis Juli 2011, der in Cleveland bis 2012. Welser-Möst: "Es ist wie in einer Beziehung. Natürlich ist es aufregend, jedes Jahr eine andere Frau zu heiraten. Das ist in der Musik auch nicht anders. Ich halte nicht sehr viel von dieser Schnelllebigkeit, denn erst nach ein paar gemeinsamen Jahren hat man die Möglichkeit, in die Tiefe zu gehen, Dinge zu verfeinern."

Einer dieser langfristigen Partner ist der Intendant des Opernhauses Zürich, der Österreicher Alexander Pereira, dessen Vertrag ebenfalls bis 2011 geht und für den die Zusammenarbeit mit Welser-Möst einer der Gründe war, das Angebot von der Mailänder Scala nicht anzunehmen. Zur Disposition stand der Posten von Riccardo Muti, der nun mit Stephane Lissner besetzt wurde.

Am Sonntag dirigierte Welser-Möst die Züricher Premiere von Puccinis "La Boheme". In der kommenden Saison wird er drei Premieren ("Tiefland", "Peter Grimes" und "Don Giovanni") in Zürich leiten.

Einstellung

Ausschlaggebend für die Entscheidung, die neue Position anzunehmen, war für Welser-Möst aber auch die richtige Einstellung: "In Zürich und in Cleveland stimmen die Prioritäten einfach. Da heißt es zuerst produzieren, dann verpacken und erst dann verkaufen. Cleveland und Zürich sind wie zwei Inseln, in denen ich mich auf die Musik konzentrieren kann."

Zu personellen Spekulationen lässt sich Welser-Möst nicht hinreißen, auch wenn ihn die Leitung eines eigenen Hauses prinzipiell interessieren würde. Ob er jedoch Ambitionen hat, doch noch nach Wien zu gehen oder nach Salzburg – wo er zuletzt auch im Gespräch war – geht er nicht ein: "Ich brüte nicht über Eiern, die noch nicht gelegt worden sind.

Artikel vom 04.07.2005 |KURIER-Printausgabe |Judith Schmitzberger, Zürich


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