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Zürcher Oper:
Welser-Möst wird Generaldirektor
(Die Presse) 04.07.2005
Intendant Alexander Pereira schuf diese Position eigens für den Dirigenten.

Noch vor einem Jahr hieß es, Franz Welser-Möst werde seine Zürcher Verpflichtungen mit Ende dieser Spielzeit auslaufen lassen. Nun hat sich der Dirigent anders besonnen: Er möchte seinen Vertrag mit der Zürcher Oper bis 2011 verlängern. Den Entschluss begründet er mit den "idealen Arbeitsbedingungen" in Zürich: "Mir ist wichtig, konsequent und in Ruhe an Projekten zu arbeiten und meine Arbeit zu entwickeln. Das ist in Zürich möglich."

Außerdem bestand Welser-Möst darauf, das Orchester des Zürcher Opernhauses geheim abstimmen zu lassen, ob die Musiker mit ihm für die kommenden Spielzeiten weiterarbeiten möchten. Ergebnis: Mehr als 85 Prozent stimmten für den Verbleib des Chefdirigenten.

Vor der Premiere von "La Bohème" bei den Zürcher Festspielen gaben Pereira und Welser-Möst die Entscheidung bekannt. Welser-Möst hatte die Leitung dieser Produktion von dem verstorbenen Marcello Viotti übernommen. Fixbestandteil der Vereinbarungen zwischen dem Dirigenten und dem Opernhaus sind mediale Projekte. So wurde die "Bohème"-Premiere für eine DVD-Verwertung aufgezeichnet. Schon zuvor hatte Herbert Kloibers "Clasart Tele München" Produktionen unter Welser-Mösts Leitung in Zürich aufgezeichnet: 2004 etwa Debussys "Pelleas und Melisande" und Strauss' "Rosenkavalier".

Dabei strahlt Kloiber, der auch ATV-Eigentümer ist, Zürcher Produktionen im sonst nicht klassisch orientierten Wiener Sender aus. Auf den "Rosenkavalier" (am Nationalfeiertag 2004) soll heuer die Zürcher "Traviata" - Inszenierung: Jürgen Flimm, Dirigent: Welser-Möst - folgen. In den kommenden Spielzeiten werden u. a. "Don Giovanni" und Schuberts "Fierrabras" in Zürich produziert. Mozarts "Titus" ist bereits aufgenommen.

Auch das Cleveland Orchestra, dessen Chefdirigent Welser-Möst bis 2012 ist, wird von dessen Medien-Verträgen profitieren. Intendant Gary Hanson ließ in Zürich verlauten, dass vor allem bei den Europa-Gastspielen der Clevelander auch TV-Kameras dabei sein werden, so bei Bruckners Fünfter Symphonie in St. Florian. 2007 soll Mahlers Zweite Symphonie produziert werden. Unter seinem neuen Chefdirigenten ist das Cleveland Orchestra vermehrt in der Alten Welt zu Gast. Demnächst erscheint es beim Festival von Luzern mit drei Programmen, im Oktober kommt es zur zweiten Residenz im Wiener Musikverein, im Herbst 2007 zur dritten.

Pereira meinte, dass sowohl Zürich als auch Cleveland für den Musikbetrieb Nischen seien, in denen sich Kunst ein wenig abseits des schnelllebigen Business entwickeln könne: "Wir haben deshalb auch immer wieder Angebote abgelehnt, in Japan zu gastieren, einfach weil wir meinten, wir seien noch nicht weit genug."

Jetzt sei das anders: Demnächst wird die Zürcher Oper ein Gesamtgastspiel in Paris absolvieren, 2006 folgt dann doch erstmals Japan. Welser-Möst assistiert seinem Intendanten: "Ich bin ja auch ein langfristig angelegter Mensch. Wir gehen hier sozusagen konsequent gegen die Kurzfristigkeit vor." Dass er in Wien Wagners "Ring" einstudieren wird, erscheint ihm nun als eine Art "Sabbatical von seiner Zürcher Verpflichtung". sin

 
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